Kesselwagen mit Chlor umgekippt
27. Juni 2000 Bei Rangierarbeiten am Degussa Werk Wesseling löste sich ein Dutzend Waggons. Ein Chlorkesselwagen kippte auf den angrenzenden Bahndamm. Es trat kein Gas aus.Aus zunächst ungeklärter Ursache machte sich eine Gruppe von zwölf Waggons knapp außerhalb des Degussa Werkes selbständig. An der Spitze des herrenlosen Zuges befanden sich drei Chlorkesselwagen. Die gefährliche Karawane rollte unkontrolliert über eine leicht abschüssige Schienenführung quer durch den Nordteil des Werksgeländes. Glücklicherweise stand dort zunächst nichts im Weg. Am Ende der Strecke überrollte der erste Chlortankwagen dann jedoch den Prellbock, durchbrach den firmeneigenen Lokschuppen und stürzte mittlerweile wieder außerhalb der Werksgrenze auf den Bahndamm der Güterzuglinie Richtung Brühl. Der mit 54 Tonnen Chlor beladene Kesselwagen lag etwa 150 Meter nördlich vom Park-and-Ride- Platz Brühler Straße entfernt. Die Fahrbahn musste vorübergehend gesperrt werden. Wegen der gefährlichen Fracht löste die Degussa sofort Großalarm aus. Doch die Feuerwehrleute des Werkes und der Freiwilligen Feuerwehr Wesseling konnten kein austretendes Gas feststellen Und auch bei den in regelmäßigen Abständen vorgenommenen Messungen wurde kein Chlor in der Luft nachgewiesen.
Der Tank hatte also keine Risse. Daher bestand zwar keine direkte Gefahr, aber die Situation war dennoch brisant. Der reguläre Güterverkehr auf der betroffenen Bahnlinie wurde sofort gestoppt. Die Gleisstrecke wurde anderweitig gebraucht: Um mehrere Waggons Sand zum Einsatzort zu bringen. Damit sicherten die Feuerwehrleute den havarierten Kesselwagen gegen weiteres Abrutschen. Für den Fall, dass es während der Sicherungs- und Bergungsarbeiten zu Undichtigkeiten kommen könnte, sorgte die Feuerwehr außerdem für eine dichte Wasserwand: Sollte Chlor austreten, würde sich die entstehende Wolke sofort niederschlagen. Wegen der nach wie vor latenten Gefahr traf die Einsatzleitung der Feuerwehr gemeinsam mit der Stadt Wesseling bereits Vorbereitungsmaßnahmen, um die Bevölkerung zu warnen und notfalls auch zu evakuieren.
Die Degussa richtete unterdessen einen Krisenstab ein. Gemeinsam mit Experten der Bayer AG beratschlagten sie über das günstigste Vorgehen bei der Bergung. Denn der Kesselwagen konnte nicht problemlos entleert werden, weil er mit dem Domdeckel nach unten umgestürzt war. Die Lösung: Die Helfer legten ein Tauchrohr an dem Waggon an. Zwar konnte so nicht die gesamte Gasmenge in einen Spezialkesselwagen umgefüllt werden, aber immerhin mehr als geplant, ganze 37,7 Tonnen. Trotzdem dauerte es schließlich noch bis Samstagnachmittag, bis die Bergungsarbeiten endlich abgeschlossen waren. Zwei angeforderte Spezialkräne richteten den umgestürzten Waggon wieder auf und hieften ihn auf ein Tiefladerschienenfahrzeug. Damit wurde der havarierte Wagen zur Restentleerung in das Degussa Werk gebracht. Einsatzkräfte:
| 113 | Feuerwehrleute und Hilfskräfte aus dem Erftkreis (heute Rhein-Erft-Kreis) |
| 18 | Kräfte der Kölner Berufsfeuerwehr |
| 65 | Polizisten |
| Mitarbeiter des Werk Degussa Wesseling (heute Evonik) | |
| Mitarbeiter von Spezialfirmen |
Quelle: Festschrift 125 Jahre Löschzug Wesseling

